Wenn sich abzeichnet, dass ein Arbeitsverhältnis zu Ende geht, stellen sich fast alle Arbeitnehmer diese Frage. Und die Antwort darauf ist nicht ganz einfach, denn das deutsche Arbeitsrecht sieht keinen grundsätzlichen Anspruch auf eine Abfindung bei Beendigung.

Nicht einmal dann, wenn der Arbeitgeber kündigt, ist eine Abfindung gesetzlich vorgeschrieben.

Wenn man sich die Statistiken zu Abfindungszahlungen in Deutschland anschaut, dann ist die Antwort übrigens eine eher unerwartete. Die Antwort lautet nämlich:

Eine Abfindung bekommt, wer danach fragt!

Aber der Reihe nach. Natürlich kann es sein, dass Sie einen Rechtsanspruch auf Zahlung einer Abfindung haben. Solche Ansprüche sind aber die Ausnahme. Einen Anspruch auf Zahlung einer Abfindung haben Sie etwa dann, wenn

  • ein Sozialplan in Ihrem Unternehmen eine Abfindung vorsieht,
  • der Arbeitgeber zusammen mit einer betriebsbedingten Kündigung ausdrücklich eine Abfindung gem. § 1a Kündigungsschutzgesetzt (KSchG) anbietet,
  • eine Abfindung individuell zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausgehandelt wird.

Das Aushandeln einer Abfindung ist in der Praxis der häufigste Fall. Sozialpläne spielen dann eine Rolle, wenn große Betriebe viele Stellen abbauen und deshalb mit dem Betriebsrat die Zahlung von Abfindungen nach bestimmten Merkmalen in einem Sozialplan festlegen.

Eine Kündigung mit Angebot für eine Abfindung gem. § 1a KschG ist sehr selten.

Wann lohnt es sich, eine Abfindung zu verlangen?

Die Antwort des Fachanwalts für Arbeitsrecht lautet hier: Fragen kostet nichts, und „ein bisschen was geht immer“!

Tatsächlich ist erstaunlich, wie oft bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber überhaupt keine Abfindung bezahlt wird.

Laut Statista erhalten gekündigte Arbeitnehmer in 83% aller Fälle keine Abfindung!

Bei ca. 2 Millionen Kündigungen pro Jahr, die von Arbeitgebern ausgesprochen werden, ist diese Anzahl erstaunlich. Sie erklärt sich auch nicht dadurch, dass es sich überwiegend um Kleinbetriebe ohne Kündigungsschutz und andere Fälle ohne Kündigungsschutz handelt, denn tatsächlich besteht nur bei bestehendem Kündigungsschutz Aussicht, eine Abfindung zu erhalten.

Viele Arbeitnehmer versuchen gar nicht, eine Abfindung geltend zu machen, obwohl sie gute Chancen hätten.

Was sind die Gründe dafür, dass offenbar viele Arbeitnehmer eine Kündigung klaglos akzeptieren und viel Geld verschenken?

Auch die Antwort auf diese Frage wird deutlicher, wenn die Kostenseite betrachtet wird: Die Kosten für einen Rechtsanwalt muss im Arbeitsrecht jede Partei selbst tragen. Wenn Sie also keine Rechtsschutzversicherung haben, dann bleiben Sie auf den Kosten des Rechtsanwalts sitzen. Das gilt selbst dann, wenn Sie die Klage gewinnen.

Einen Anwalt einzuschalten, um eine Abfindung zu bekommen, lohnt sich also nur dann, wenn die Abfindung höher ist, als die Anwaltskosten.

Diese Kostensituation ist für viele Arbeitnehmer der Grund, sich gegen eine Kündigung nicht zu wehren und damit auch auf eine Abfindung zu verzichten. Tatsächlich gibt es Möglichkeiten, trotzdem und mit geringerem, Kostenrisiko die Abfindung geltend zu machen. Wie das geht, zeigen wir noch in einem gesonderten Beitrag.

Dazu kommt aber noch:

Nach Erhalt einer Kündigung muss schnell reagiert werden.

Sie müssen innerhalb von 3 Wochen eine Kündigungsschutzklage einreichen, sonst wird die Kündigung wirksam. Wenn das passiert, können Sie eine Abfindung vergessen. Den der häufigste Grund, warum Arbeitgeber eine Abfindung zahlen ist:

Durch Zahlung einer Abfindung beseitigen Arbeitgeber hohe Risiken

Nur weil mit einem Kündigungsschutzverfahren für den Arbeitgeber hohe Risiken verbunden sind, werden die meisten Abfindungen bezahlt.

Eine Abfindung fällt deshalb um so höher aus, je größer das rechtliche Risiko für den Arbeitgeber ist. Mit Risiko ist dabei gemeint, dass im Kündigungsschutzverfahren die Unwirksamkeit der Kündigung festgestellt wird.

Gewinnt der Arbeitnehmer mit seiner Klage gegen die Kündigung, dann stellt das Gericht fest, dass die Kündigung unwirksam war. Das bedeutet, der Arbeitnehmer ist nach wie vor zu den bisherigen Bedingungen angestellt. Vor allem kann er aber sein Gehalt für die gesamte Zeit nachfordern, in der er wegen der Kündigung nicht gearbeitet hat.

Ist also z.B. im Februar die Kündigung zum 30. April ausgesprochen worden, dann bleibt der Arbeitnehmer in der Regel ab dem 30. April zu Hause. Das Verfahren beim Arbeitsgericht läuft aber womöglich allein für die erste Instanz bis September. Wenn dann im September ein Urteil ergeht, wonach die Kündigung unwirksam ist, kann der Arbeitnehmer sein gesamtes Gehalt nachfordern und ist weiter angestellt.

Selbst ein Sieg in der ersten Instanz bringt für den Arbeitgeber noch keine Sicherheit. Der Kläger kann ja in Berufung gehen. Stellt sich im Berufungsverfahren die Kündigung als unwirksam heraus, muss der Arbeitgeber womöglich mehrere Jahre Gehalt nachzahlen.

Von diesem „Prozessrisiko“ kaufen sich die Arbeitgeber durch Zahlung einer Abfindung frei.

Fazit: Wer sich gegen eine Kündigung wehrt, bekommt fast immer eine Abfindung!

2 Gedanken zu „Wann bekommt man eine Abfindung?

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